Wann platzt endlich der Instagram-Follower-Traum?

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Ich mag Instagram total gerne, weil ich Bilder wirklich gerne mag. Schon als kleines Mädchen war ich vernarrt darin, Momente mittels Fotos festzuhalten. Instagram gehört deshalb auch zu den Social Media Profilen, auf denen ich deutlich persönlicher bin als ich es auf Facebook, Twitter & Co. je sein werde. Vielleicht nervt mich das Thema deshalb auch mehr als andere…

Wenn Menschen meinen 5 oder mehr Stunden pro Tag investieren zu müssen, um das perfekte Instagram-Bild posten zu können, bitte. Das stört mich nicht. Nachbearbeitet? Mit einer Spiegelreflex? Im Fotostudio? Nur Repostings? Nein, stört mich auch alles nicht.

Was mich aber stört sind diese vielen Profile (und nein, keine Angst, ich verrate niemanden), die nur so vor Fake-Followern strotzen. Es scheint schon fast kein Profil mehr ohne gekaufte und deshalb tote Profile zu geben. Egal, wo man hinschaut, überall grinsen mich die A-typischen Fake-Follower an.

What the FAKE…?!

Die kleine Idealistin, die in mir steckt, sprang auf und schüttelte den Kopf – und nun klagt sie auch an. Ich muss mir einfach Luft machen, sonst platze ich irgendwann.

Denn es scheint sich rumgesprochen zu haben, dass sich seit einiger Zeit auch mit Instagram ganz gut Geld verdienen lässt. Es gibt alleine zum Hashtag #Sponsored mit Stand heute fast 330.000 Medien… und das sind nur die Accounts, die ihre Bilder oder Videos entsprechend gekennzeichnet haben. Darüber hinaus gibt es viele Accounts, die bezahlte Beiträge nicht kennzeichnen. Der Kuchen ist groß und jeder will ein Stückchen abhaben. Mjam.

Wie kleine Goldgräber versuchen deshalb nun alle krampfhaft massig Follower aufzubauen und das kleine Teufelchen auf der rechten Schulter flüstert ins Ohr „5.000 Follower für 35 EUR – das hast du locker wieder raus!“ und schwupp, die Verlockung ist einfach zu groß. So scheint es zumindest bei vielen.

Wobei dazu gesagt werden muss, dass nicht nur die sogenannten Influencer sich ein paar Follower dazu kaufen – auch Unternehmensaccounts scheinen gerne mal zuzuschlagen. Die paar Euro oder auch Dollar können vom Marketingbudget wohl gerade noch so abgeknappst werden. Und schon ist der Chef stolz wie Bolle und die vorgegebenen Ziele sind im Handumdrehen erreicht. Applaus.

Die Leute im Hintergrund verdienen sich währenddessen damit ein goldenes Näschen und müssen wohl nur mit wunden Fingern vom dauernden Profil-Erstellen und abonnieren leben.

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Ein unschlagbares Angebot. Wer so richtig in die Vollen gehen will, kauft gleich 10.000 Follower für 60 EUR – ist ja auch alles 100% sicher… und kein Abo… yeehaw!

 

Wow, so viele Follower! Wie hast du das gemacht?

Wir kennen sie alle, die Profile mit den wahnsinnig vielen Followern, wovon bei einigen Profilen definitiv nicht alle organisch gewachsen sind – ich mich aber als gutgläubige Instagram-Liebhaberin stets gefragt habe: „Wie machen die das? Welche Strategie wird verfolgt?“

Und ich bin nicht die einzige, die sich das fragt. Auch auf Podiumsdiskussionen oder Vorträgen ist das durchaus ein Thema. Die Antwort darauf ist aber oft: „Wir haben eigentlich gar keine richtige Strategie. Das ist einfach so passiert.“ Ähm ja, klar. Kennen wir ja alle, die vielen Dinge im Leben, die einfach so passieren.
Etwas passender ist da schon: „Wir interagieren einfach total viel in Form von Likes & Kommentaren!“ Da Interaktionen tatsächlich zu einem schnelleren Anstieg der Follower führen, ist die Fragerunde damit auch beendet.

Sprich, so oder so ähnlich nichtssagend wird sich dazu geäußert – natürlich gibt niemand zu sich die ersten 1.000, 5.000 oder 10.000 Follower gekauft zu haben. Ab einer gewissen Anzahl funktioniert das mit den neuen Followern dann auch wieder automatisch. Man braucht nur erstmal eine kritische Masse – und warum nicht schwuppdiwupp kaufen…

Wenn Geld und Ego aufeinander treffen

Unternehmen zahlen bis dato unterschiedlich viel für ein Instagrambild. Das reicht von ein paar Hundert Euro bis hoch zu mehreren Tausend Euros – je nach dem wie viele Follower der Account aufweist. Wenn ein Account 50.000 Abonnenten hat, davon aber die Hälfte gekauft wurde, ist die Reichweite immer noch höher, als bei einem Account mit ehrlich erzielten 15.000 Followern. Dennoch bezahlt das Unternehmen für die Reichweite, die potenziell angesprochen werden kann, also für die 50.000 – eigentlich müsste es aber nur für 25.000 Abonnenten bezahlen.

Vielleicht ist es aber auch einfach ein großes Desinteresse, und wie einst auf Facebook ist einfach nur die Zahl ausreichend für den Chef… und dessen Chefchef. Andererseits, wer im Glashaus sitzt, wird nicht mit Steinen werfen. Da halten wir doch lieber alle mal die Klappe und machen den Blödsinn gemeinsam mit. Wenn Unternehmen sich die Follower nämlich selbst kaufen, können sie kaum ein Problem damit haben, wenn ihre Influencer das ebenso tun.

Falls es noch Leute gibt, die diese ganze Fake-Maschinerie nicht selbst mit Bravour beherrschen, und herausfinden wollen, wie echt die Abonnenten eines Profils sind: Die Follower eines öffentlichen Accounts kann jeder einsehen und ein paar Stichproben zeigen sehr schnell, ob oder ob nicht mit gekauften Followern gearbeitet wird. Man klicke auf Follower, scrolle ein wenig nach unten und tippe beliebig auf Profile.

Die 5 Indizien für gekaufte Follower:

  1. Das Profil folgt unverhältnismäßig vielen Profilen
  2. Das Profil hat im Gegenzug aber nur sehr wenige Abonnenten (selten mehr als 100)
  3. Das Profil hat etwa 20-50 Bilder (soll ja auch möglichst echt wirken)
  4. Die Bilder sind jedoch so seltsam zusammen gemischt, dass selbst die Person mit dem schlechtesten Geschmack in deinem Umfeld 10 Mal schönere Bildwelten erschaffen würde
  5. Heute hat der Account 35.000 Follower & in zwei Wochen nur noch 33.000 Follower (seltsam, nicht wahr?!)

 

Damit es weniger abstrakt ist, hier ein paar Beispiele. Die Namen sind geschwärzt, weil ich ja versprochen habe, niemanden zu verraten ;)

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WTF? Ich frage mich, wer diese Menschen da wirklich auf den Bildern sind und ob sie wissen, wofür sie ihr Gesicht herhalten müssen…

 

Ein Anbieter für Fake-Follower scheint ein kleines Hintertürchen gefunden zu haben und arbeitet mit Profilen, die alle auf privat gestellt sind. So lassen sich die wahrscheinlich noch absurderen Bilder nicht ansehen und auch die abonnierten Profile sind nicht klickbar. Alles bleibt top secret. High five!

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Es gibt Tools (ich hab hier mit Influencerdb.net gearbeitet) mit denen sich die Reichweiten-Entwicklung eines jeden Profils analysieren lässt. Heißer Tipp: Wenn die Kurve rapide ansteigt und kurz darauf wieder absinkt, könnte da etwas faul dran sein.

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Das ist ein Unternehmensaccount. Die Interaktionsrate liegt bei überwältigenden 0,8 % !

 

Interaktionsraten können auch ein dezenter Hinweis sein, zumindest bis zum mittleren 6-stelligen Followerbereich – mit steigender Fanzahl kann die Interaktion auch stagnieren oder sinken. Von den Profilen, bei denen ich mir sicher bin, dass Follower dazu gekauft wurden, habe ich die durchschnittliche Interaktionsrate berechnet. Die liegt häufig so zwischen 0,5-2 %. Profile, bei denen ich mir widerum recht sicher bin, dass kein Großeinkauf getätigt wurde, haben im Schnitt eine Interaktionsrate von 3-6%.

Dazu muss man aber sagen, dass auch, what a surprise, die Interaktionen gefaket werden können. Denn auch Likes und Kommentare lassen sich in beliebiger Höhe in den Einkaufswagen legen. Daher würde ich die Interaktionsrate natürlich heranziehen, aber auch nicht überbewerten.

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Na, wenn das kein Schnäppchen ist…

 

Wenn ihr euch jetzt fragt, woher zum Teufel will sie das bitte wissen?

Ganz einfach, weil ich hab selbst schon Follower gekauft – ich hab mich vom Sog und von der Zahl blenden lassen. Wie auf dem Schulhof, wollte ich auch dazu gehören. Ich wollte mitspielen und nicht am Rande stehen und zusehen, wie alle anderen Spaß haben. Und weil es ja anscheinend gerade zum guten Ton gehört sein Profil mit gekauften Followern zu pimpen, tat ich es auch.

1.500 Stück hab ich insgesamt gekauft. „Geliefert“ wurden die Follower dann innerhalb weniger Stunden. Und es gibt noch ordentlich Follower gratis on top. Warum? Das merkt ihr ca. 2 Wochen später, wenn die Anzahl an Abonnenten plötzlich wieder sinkt. Das geht auch immer so weiter, hier und da gehen einige, der gekauften Follower abhanden. Wie viele von den Fakes übrig geblieben sind, weiß ich leider nicht.

Aber für Betrügereien bin ich einfach nicht gemacht – das schlechte Gewissen folgte und ich ließ das Profil organisch weiter wachsen. Wenn ich könnte, würde ich die Fake Follower auch gerne wieder los werden ;) Und vielleicht habe ich Glück und Instagram selbst bereinigt den ganzen Kram endlich mal.

Warum der Artikel?

Ich hab wirklich mit mir gehadert, ob ich meinen Unmut öffentlich mache oder nicht. Ich frage mich, ob es ein offenes Geheimnis ist, mit dem alle leben oder sich keiner traut, darüber zu reden (wegen dem Glashaus und so…) oder sich darüber einfach noch nicht so viele Menschen Gedanken gemacht haben.. Wenn ihr dazu eine Meinung habt, schreibt es gerne in die Kommentare!

Dieses ganze Vortäuschen geht mir extrem auf den Sack. Influencer, Unternehmen und Anbieter – es nervt mich gerade so sehr, das es raus muss. Waren es vor einem knappen halben Jahr nur wenige Accounts, bei denen ich die gekauften Follower vermutet habe, kenne ich mittlerweile fast keinen größeren Account mehr ohne. Nur ist das meiner Meinung nach doch totaler Schwachsinn, wenn wir uns alle mit einer gefaketen Reichweite schmücken… und deshalb schreibe ich darüber.

Achso: Falls das irgendwer von Instagram liest, würde mich ein Statement von offizieller Seite brennend interessieren. Zudem wünsche ich mir, dass das alles mal bereinigt wird und wir wieder ein Stück näher an die Realität kommen. Der Irrsinn schaukelt sich sonst hoch bis zu einem Punkt, an dem alles wie ein Kartenhäuschen zusammen bricht.

About the author

mareiki

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30-jähriges mädel, zwar ohne torschluss-panik, dafür aber mit einer ausgeprägten vorliebe für gutes essen und noch besseren gin. würde am liebsten alles klein schreiben, kann stundenlang ein einziges motiv fotografieren und wochenlang das gleiche lied hören. findet menschen & ihre geschichten ziemlich faszinierend und hat ein herz für social media & alles digitale ♥

One Response

  1. Beatpoetin

    Manche verdienen Geld mit Instagram und machen da Werbung. Da möchten sie natürlich viele Follower haben oder sie wollen beliebt wirken. Das ist in unserer Image-besessenen Welt leider so.

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